Montag, 6. April 2015

Aller Anfang ist schwer - oder alles hat ein Ende, außer meine Haare haben zwei...

Alles was mit einem Neubeginn einhergeht ist nicht einfach... Sei es ein neuer Job, eine Lebensveränderung, seinen ersten Blog zu schreiben (ha ha...), oder eben der Plan: Ich möchte gaaannzzz lange Haare haben. Wobei sich nun schon das erste Problem ergibt, nämlich: Lange Haare sind nicht gleich schöne Haare...! Und
viele müssen an diesem Punkt erst mal ausmerzen, was sie all die Jahre über falsch gemacht haben. Sei es ewiges färben, blondieren, glätten (ganz liebe Grüße an die Locken"geplagten" die ihre Locken noch hassen...) oder wegen dieser ganz, ganz tollen Pflegeprodukte aus der Werbung für "gesund aussehendes und glänzendes Haar" (sorry, aber ich find das immer sooo geil, wenn ich das wortwörtlich im Fernseher sehe/höre). Nun gibt es auch die Mädels unter uns, die absolut nicht viel zur Haarpflege beitragen müssen und sind trotzdem im Besitz einer langen, gesund wallend und glänzenden Mähne. Und wenn sich dann noch raus stellt, daß sich dieses Mädel regelmäßig die ärgsten Silikonbomben in die Pracht schmiert drängt sich mir dann doch folgende Frage auf: "Warum funktioniert das bei mir nicht...???" 

Ich bin aber der Meinung, das es sich dabei um absolute Ausnahmefälle handelt und sich eine solche "Pflege" über kurz oder lang rächt und man irgendwann die Quittung präsentiert bekommt. In welcher Form auch immer: sei es, daß nach Gebrauch der teuersten Kur, die Haare trotzdem noch beschissen aussehen, man plötzlich Trouble mit der Kopfhaut hat und eines Tages mit Schuppen und Jucken kämpft oder die Haare viel schneller nach fetten als vorher. Oder was bei uns Lockenköpfen oft der Fall ist: daß sich um nichts in der Welt unsere Lockis bündeln wollen und die ganze Wolle eher an einen verfilzten Krausekopf im Stromkreis erinnert...

Genau das führt mich zu meiner kleinen Haargeschichte: 

Ich kam schon mit Haaren auf die Welt. Obwohl ich ein 8-Monat-Kind war und meine Entwicklung noch nicht jener entsprach um das Licht der Welt zu erblicken, hatte ich laut Mamas Erzählungen schon einen schwarzen Wuschelkopf, als das ganze Übel - auch Leben genannt - seinen Anfang nahm. Beweise erbrachte sie mir eines Tages mittels Babyfotos und es stimmte: ich war klein und zart und mußte noch für 14 Tage in den Brutkasten, aber Hauptsache ich hatte schon Haare am Kopf... Um der Wahrheit die Ehre zu geben muß ich dazu sagen, die blieben mir nicht lange. Bald nach der Geburt fielen sie mir aus, was wahrscheinlich psychische Ursachen hatte. Offenbar spürte ich schon damals, daß ich dem Alltagsstress nicht gewachsen bin und mit dem sogenannten "Leben" restlos überfordert sein würde...

Mit dem ersten Schreck erst einmal abgefunden, bekam ich dann meine neuen Haare und aus heutiger Sicht darf ich sagen, daß ich in dieser Beziehung wirklich Glück gehabt habe. Aus heutiger Sicht deshalb, weil ich meinen Lockenkopf bis zum ca. zehnten Lebensjahr abgrundtief gehasst habe! Ich hatte ganz dicke, rotbraune, wuschelige Haare und wurde die meiste Zeit wegen ihnen verspottet. Abgesehen von den ganzen Hänseleien kann ich nicht sagen wieviele Kaugummis und anderes Zeug mir meine Mutter in der Schulzeit aus den Haaren schneiden musste...
Zusätzlich war die tägliche Tortur des Kämmens eine Qual - für mich und für meine Mutter. Da es keiner von uns besser wusste, wurde jeden Morgen gebürstet was das Zeug hielt. Meine Haare ohnehin schon trocken wie Stroh und voll spröder Krause machten da nicht lange mit und aus dem kleinen roten Lockenkopf wurde Mrs. 1000 Volt. Gewaschen wurde mit Babyshampoo und hinterher kam die Essigspülung. Das jedoch wusste damals schon meine Mama, daß das Sinn macht... Der einzige Fehler war das ganze Bürsten und Kämmen. Irgendwann wurde der Aufwand und die Zieperei zu groß und mit ca. drei oder vier kam die Mähne ab. Den Zopf von damals hat meine Mutter aufbewahrt und bis heute in der Schublade im Wohnzimmer.

Danach hatte ich kurze Haare und ließ sie wieder wachsen und von da an hatte ich sie eigentlich die meiste Zeit lang - trotz der Unwissenheit über die richtige Pflege. Irgendwann fing ich trotzdem an meine Haare zu akzeptieren und sogar zu mögen. Die spottenden Kinder und auch die Erwachsenen gingen mir sodann am Arsch vorbei. Ich begriff daß es nicht unbedingt schlecht ist, wenn man etwas hat oder kann, das sich von anderen unterscheidet und es wird immer Menschen geben, die einen deshalb nicht akzeptieren, aber auch solche, die einen darum beneiden - oder sind das dann vielleicht sogar die Selben...!?!? Wenn ihr "anders" seid, seid es mit Stolz!!!

 So mit 16 ging mir der Schopf dann bis zum Hosenbund. Nur leider wusste ich damals noch nichts von Internet und Google und das LHN gab es damals auch noch nicht. Das Deckhaar bestand nur noch aus kaputter Krause und um so mehr ich kämmte, desto verfilzter wurde das Ganze. Eines schlimmen Tages reichte es mir endgültig und ich schnitt sie raspelkurz inklusive Elvis-Tolle. Es dauerte keinen ganzen Tag bis ich das Unternehmen "Selbstzerstörung" wahnsinnig bereute und ich glaube, ich weinte sogar in meiner Verzweiflung, die ich selbst verschuldete. Und seit jenem Tag lasse ich sie wachsen.

Von Vorteil war, daß der ganze Spliss der Vergangenheit angehörte und meine Lockis endlich mal gesund nachwachsen konnten. Ungefähr zur selben Zeit legte ich Bürste und Kamm Ad acta und kämmte meinen Schopf nur noch vor dem Haare waschen. Anfangs hatte ich echt Schiß, daß sich solch ein Filz entwickeln könnte, das ich gar nicht mehr durch komme. Aber siehe da: es funktionierte! Sogar besser als vorher! Und wenn ich eins gelernt hab in den letzten Jahren, dann daß gekämmte oder gebürstete Locken viel mehr verknoten und verfilzen, als wenn man sie in Ruhe lässt!!!

Ebenfalls zur selben Zeit entdeckte ich Gliss-Kur, Elvital und Silikonbomben für mich - von deren Existenz und Wirkungsweise ich damals noch nicht die leiseste Ahnung hatte... Die ersten Ergebnisse mit Gliss-Kur waren für meine damaligen Verhältnisse und Kenntnisse revolutionär. Es war wie ein Weltwunder. Nach der Wäsche hatte ich gebündelte, seidige Locken, die sogar glänzten - was bei lockiger Struktur ja nicht so einfach ist. Ich war schlichtweg begeistert und glücklich... Jedoch merkte ich nach einiger Zeit, daß die Erfolge immer mehr zu wünschen übrig ließen und die Produkte nicht mehr so funktionierten wie anfangs. Ich fing an mir jedes Lockenprodukt zu kaufen das ich finden konnte und testete mich so quer durch den DM und Pipa. Ich spreche hier von einer jahrelangen Phase in der ich alles probierte was ich in die Finger bekam auf der Suche nach dem sogenannten "heiligen Gral". Ich steckte ein Vermögen in meine Haare, aber die wurden dadurch nicht schöner sondern immer komischer. Wenn ich das gesamte Geld für Haarpflege retour bekommen würde plus dem Geld was mein Schatz in die Lotterie gesteckt hat, würde sich ein Bungalow für uns ausgehen! Statt Locken hatte ich irgendwann nur mehr fusselige Wellen und ganz, ganz viel Frizz - was mir vollkommen schleierhaft war bei all den Anti-Frizz-Produkten... Ich merkte auch, daß ich immerzu Schuppen hatte, unter denen ich als Kind und Teenager jedoch niemals litt... Abgesehen von meiner Diät Anfang 20, verlor ich in diesen Jahren auch mehr an Haaren. So durchlief ich diese Jahre und mit ca. 28 trat das LHN in mein Leben...

Ich las, grübelte, studierte und fand immer mehr andere Seiten, auf denen sich Gleichgesinnte austauschten. Es tat ungemein gut im Forum des Locken-Club's zu lesen, daß es noch andere gab wie mich und über Dinge diskutierten, die ich nur zu gut kannte. Ich durchforstete das Netz nach Tipps und Tricks, machte nebenbei beim lesen noch eine kleine Chemikerausbildung und es taten sich mir Abgründe auf, als ich erfuhr, was ich mir so alles in die Haare schmierte... Nun wunderte mich nichts mehr! Ich glaubte zu wissen, was es mit meinen Kopfhautproblemen auf sich hatte und warum mein Schopf sich so veränderte. Die Lösung schien mir damals ganz einfach: Haarpflege ohne Silikone, Parabene und Paraffin oder am Besten gleich Naturkosmetik!!! Das ist jetzt ungefähr 5 Jahre her und heute bin ich um einige Erkenntnisse reicher. Ich hab einige tolle Sachen entdeckt, aber auch viele, die weniger toll waren. Im nachhinein kann ich behaupten, daß das alles nicht so einfach war wie ich es mir vorstellte und es sich mit einem Seborrhoischem Ekzem nicht so einfach das Richtige finden lässt! Ich hab viel herum experimentieren müssen um es so halbwegs in den Griff zu bekommen, da es ja nicht heilbar ist. Und ich kann heute sagen, wenn es so bleibt, wie es momentan ist, bin ich echt zufrieden!!!

Was ich in den letzten fünf Jahren alles testete und welche Erfahrungen ich mit Naturkosmetik, ph-hautneutraler Haut- und Haarpflege, Chemiebomben aus der Apotheke und einfachen natürlichen Mitteln machte, Berichte ich euch in meinen zukünftigen Posts. Zum Schluß fasse ich euch noch mal die wichtigsten und vor allem einfachsten Tipps zusammen, von denen ich aus meiner eigenen Erfahrung behaupten kann, daß sie mir helfen:

* Bürstet eure Lockis nicht - höchstens kämmen! Wenn möglich mit einem grobzinkigen Afrokamm!
* Wenn keine Kur der DM-Welt mehr hilft, seht euch die Inhaltsstoffe genauer an! 
  Versucht es ohne Silikone, Parabene und Paraffine. Sehr hilfreich ist diese Seite: http://www.codecheck.info - gibt es auch als App. 
* Weniger ist manchmal mehr! Lasst eure Haare in Ruhe! Ich käme nur vor dem Haare waschen und da dafür ausgiebig! Nach dem Waschen 
  LUFTTROCKNEN lassen!!! Hände weg vom Föhn! Ich habe gute Erfahrungen gemacht mit einem Mirofaserhandtuch. Als leave-in nehme ich ein gutes 
  Öl - hier ist experimentieren gefragt...
* Nach dem Haare waschen hab ich mir angewöhnt eine Essigspülung zu machen. Hierfür koche ich 1 - 1.5 l Wasser ab, gebe einen halben Teelöffel
  Honig hinzu und einen guten Schuß Apfelessig. Das schließt die Schuppenschicht und meine Haare werden ganz weich. Ich lass das so trocknen 
  und spüle das nicht mehr aus... Aber jeder wie er mag...
* Ich glätte niemalsnie und blondieren ist auch tabu. Hatte mal Strähnchen. Es dauerte ewig bis die scheiß Blondierleichen rausgewachsen sind und
  das war das erste und einzige Mal, daß ich die Friseurin darum bat ganze fünf Zentimeter inkl. der letzten blonden Strähnchen abzuschneiden, weil 
  die immer so verknotet waren! 
* Wenn färben, dann nur mit Henna, wobei ich das auch schon meide. Ich finde es zwar echt schön, aber die Prozedur an sich macht mich nicht allzu 
  glücklich. Vor allem das Auswaschen dauert ewig und ich krieg den "Gatsch" fast gar nicht raus... Für Verbesserungsvorschläge und Ideen bin ich offen...
* Wenn ihr zu der "ich-wasche-meine-Haare-jeden-Tag-Fraktion" gehört, dann versucht das BITTE zu ändern! Das ist nicht gesund und fördert das 
  Nachfetten ungemein! Vor allem für Lockenköpfe nicht von Vorteil - da Locken meistens trocken!!! Auch hier gilt: schuld am schnelleren nachfetten 
  könnte die verkehrte Pflege sein. Silikone und Co. legen sich fest auf Haut und Haar, verkleistern das Ganze eher und vieles davon ist nicht mal 
  wasserlöslich! Darum sehen Haare anfänglich auch ganz toll aus mit solchen Produkten, nur was sich unter der Oberfläche abspielt, ist die andere   
  Frage!
* Ich stecke meine Haare oft hoch. So kann nicht soviel Filz entstehen und der Effekt ist um einiges größer, wenn ich sie mal offen trage.
* Vielleicht achtet ihr mal auf Alkohol in den Produkten. Den mag weder meine Kopfhaut noch mein Schopf - trocknet bei mir aus und macht Frizz!
* Schaut euch weiter im Netz um. Es gibt so tolle Plattformen (LHN, Beautyjunkies, Haarmonie, Curlychocolate) um nur einige zu nennen...
* Auch wenn es schwer fällt, aber ohne "Spitzen schneiden" gehts halt auch nicht ganz. Und dann bitte zu einem Friseur, der die Worte "aber bitte nur 
  das Nötigste kürzen" auch versteht! Nicht daß dann hart erkämpfte 10 Zentimeter am Boden liegen...!!!!
* Wenn ihr Zeit habt, macht Beautytage und verwöhnt Haut und Haar. Macht Ölkuren (nicht die vom Drogeriemark! Die bestehen meist aus Silikonöl!)
  Versucht Oliven-, Mandel-, Sesam- oder Kokosöl. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt und man kann so viele tolle Sachen selbst machen...
* Wenn eure Kopfhaut damit keine Schwierigkeiten hat, testet doch die Curly-Girl-          Methode... Da gibt es super vorher-nachher-Bilder im Netz. Diese Art der Wäsche hat sich schon bei einigen bewährt und ist beliebt bei Curly-Girls...!

Ich hoffe, es war etwas Hilfreiches oder vielleicht auch Neues für jemanden dabei. Jedenfalls gilt: Probieren geht über studieren... Viel Spaß beim experimentieren und frohe Ostern...







Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen